Was mir der Minimalismus durch das Reisen gelehrt hat

Was mir der Minimalismus durch das Reisen gelehrt hat

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Durch das Reisen inspiriert vom Minimalismus, fand dieser zunehmend Einbezug in meinen Lebensalltag. Vom Entrümpeln meiner Wohnung bis hin zur Wohnungsaufgabe: Sich von Altem zu lösen, kann sich befreiend anfühlen. Warum sich das Trennen lohnt und wie du den Einstieg in ein erfülltes Leben schaffst, erfährst du hier.

Was ist Minimalismus?

Jede/r hat so ziemlich seine eigene Definition vom Minimalismus. Meine lautet:

Minimalismus ist die bewusste Beschränkung auf das Wesentliche als Alternative zur Konsumgesellschaft.

Minimalismus und die erste große Reise

Das erste Mal, dass ich mit dem Thema Minimalismus in Berührung kam, war vor meiner ersten Rucksackreise nach Thailand im Herbst 2016. Für knapp einen Monat würde ich alleine das Land bereisen. Ich wollte alles richtig machen und informierte mich ausführlich im Netz. Beim Packen stieß ich auf ein Video, welches mich im Nachhinein betrachtet auf diese Fährte führte. Darin hieß es etwa so:

Nachdem du alle Dinge rausgelegt hast, die du mitnehmen willst, packst du die Hälfte davon zurück und die andere Hälfte nimmst du mit.

Diesen Rat habe ich tatsächlich befolgt und kann ihn nur jedem ans Herz legen.
Der eigentliche Grund für mein reduziertes Packen war, dass ich nicht zu viel Gewicht auf dem Rücken tragen wollte. Zumal ich als Low-Budget-Reisende größere Distanzen zu Fuß zurücklege.

Minimalismus Reisen
Insel Koh Phi Phi (Thailand)

Minimalismus im Alltag: So fing alles an

Nicht nur auf Grund der Tatsache, dass ich während meiner Reise super mit den wenigen Kilo Gepäck zurecht kam und mich sehr darüber freute. Parallel beschäftigte ich mich auch mit den Themen Achtsamkeit und Selbstfürsorge. Denn seit einer Weile hinterfragte ich das System und suchte für mich nach Wegen, glücklich zu sein. Im Zuge dessen begann ich unter anderem, jede Woche 3 Teile aus meinem Kleiderschrank auszusortieren. Bereits nach kurzer Zeit erkannte ich, dass es viel angenehmer ist, wenn der Kleiderschrank leerer und übersichtlicher ist. Außerdem tut es gut, sich von alten Dingen zu trennen.

Die Philosophie, mich auf das Wesentliche zu beschränken, floss nun auch in alle anderen Lebensbereiche ein. Ich entrümpelte neben meinem Kleiderschrank den Rest der Wohnung, sortierte alles aus, was ich nicht regelmäßig benutze – und es kam erstaunlich viel zusammen! Mein Hab und Gut verkaufte ich über Ebay Kleinanzeigen, Kleiderkreisel, verschenkte es an Familie und Freunde und ging auf Trödelmärkte.

Langsam begriff ich, dass ich nicht nur das Chaos in meiner Wohnung beseitige, sondern auch das in meinem Kopf. Die vielen Dinge lenken meine Aufmerksamkeit ständig auf Unbedeutendes – es war wie eine Befreiung in meinem Kopf. Das Aufräumen fing an Spaß zu machen und ich fand immer wieder neue Dinge in meiner Wohnung, die nach Ausmistung schrien.

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Außerdem trennte ich mich von meinem geliebten Wagen – aber der stand sowieso die meiste Zeit nur noch vor der Tür rum, da ich bereits mit dem Fahrrad zur Arbeit und einkaufen und sonst überall hin fuhr. Ich brauchte den Wagen einfach nicht mehr und es war zu schade, ihn am Straßenrand auf Dauer verrosten zu lassen.

Mit meinem Fernsehen schaute ich schon lange kein Fernsehen mehr, ich guckte hin und wieder mal einen Film oder eine Doku. Das tolle am Leben ohne TV ist, dass wenn die Glotze nicht läuft, man gezwungen ist, sich mit sich selbst zu beschäftigen und kreativ zu sein.

Schließlich gab ich meine 2-Zimmer-Wohnung in Frankfurt auf, da ich mir in den Kopf gesetzt hatte, auf Reisen zu gehen. Ich war selbst beeindruckt, mit wie wenig Sachen ich dort auszog. Mit dem Geld durch den Verkauf, aber vor allem mit den wenigen Ausgaben, die ich jetzt noch hatte, konnte ich meine Reisekasse erstaunlich schnell auffüllen.

minimal Radfahren

Warum ich minimalistisch lebe

Seither hat sich mein Leben um 180 Grad gewendet, ich lebe deutlich bewußter als früher. Dadurch, dass ich nur noch wenige Dinge besitze, habe ich die Voraussetzung geschaffen, meinen Blick auf das Wesentliche richten zu können. Dabei habe ich mich nicht nur von Dingen, sondern auch von sozialen Beziehungen, Routinen und Verpflichtungen gelöst, die mir nicht gut taten. Es ist das übrig geblieben, was für mich bedeutsam ist und mir Freude bereitet, um ein erfülltes Leben zu leben.

Indem ich mich von Belastenden gelöst habe, fällt es mir leichter, das Glück in mir selbst zu suchen anstatt in materiellen Dingen. Ich versuche immer wieder, mich auf das Wesentliche zu besinnen, im Moment zu leben und mich voll und ganz auf eine Sache zu konzentrieren. Das kann auch die Kreativität in uns wecken. Glücklich sein heißt für mich, sich an den kleinen Dingen im Leben zu erfreuen. Das kann das Ausprobieren eines neuen Rezepts sein, sich auf eine Tasse Tee mit einer Freundin treffen oder ein entspanntes Sonnenbad in der Natur genießen. Zum Teil müssen wir erst einmal lernen, Achtsamkeit zulassen zu können.

Energie, Zeit und Geld stecke ich nun in die Verwirklichung meiner Träume und Ziele. Minimalismus bedeutet sich zu befreien, um frei zu sein. Oder nach dem Gedanken von Erich Fromm Vom Haben zum Sein. Weniger ist also tatsächlich mehr.

Minimalismus und Reisen

So findest du den Einstieg in ein minimalistisches Leben

Du magst dich auch auf das Wesentliche im Leben konzentrieren? Gut, da gibt es viele Ansätze. In jedem Fall rate ich dir, zunächst klein anzufangen, damit dein Kopf hinterher kommen kann.

Ein guter Einstieg wär beispielsweise, 3 Teile pro Woche aus deinem Kleiderschrank auszusortieren. Während zuvor dein Kleiderschrank voll war und du trotzdem nichts zum anziehen fandst, wirst du bald sehen, dass dir die Entscheidung nach dem Ausmisten leichter fallen wird.

Dein Kaufverhalten kannst du mit einem simplen Trick hinterfragen: Warte mit dem Kauf von Neuem eine Woche lang. Nach einer Woche wird sich in den meisten Fällen rausstellen, dass du auf dieses Teil verzichten kannst. Oftmals kann ein Gegenstand auch mehrere Verwendungszwecke erfüllen, also sei erfinderisch.

Für mich war es easy, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Das waren jeden Arbeitstag 2 Mal 30 Minuten Fahrt. Neben der CO2-Einsparung und Fahrkosteneinsparung, hält die Bewegung mich fit.

Weniger Konsum heißt auf der einen Seite Geld zu sparen, und auf der anderen Seite Rohstoffe zu sparen und die Umwelt zu schützen. Denn Shopping ist in Deutschland zu einer Freizeitaktivität geworden, die es nur in einer Überflussgesellschaft gibt.

Anfangs wird es für dich ungewohnt sein, sich mit dir selbst zu beschäftigen, weil unsere Umwelt uns immer wieder ablenkt. Viele Menschen haben Angst davor, sich mit sich selbst auseinander setzen zu müssen. Doch der Weg ist es wert gegangen zu werden.

Finde heraus, wie umweltbewußt du lebst und reist: Lass dir deinen ökologischen Fußabdruck auf den Plattformen Brot für die Welt oder dem Umweltbundesamt ausrechnen.

Minimalismus und Reisen

Das hat mir der Minimalismis durch das Reisen gelehrt

Vor allem das Reisen regte mich an, meine Besitztümer und folglich mein Konsumverhalten zu hinterfragen. Andersrum wird sich jede/r, der/die gerne reist, dauerhaft auf das Nötigste reduzieren, da es ganz klar mehr Freiheit und Flexibilität für diesen Lebensstil bedeutet.

Meine Ziele und Wünsche für die Zukunft kann ich klar formulieren, da ich alles Irreführende hab verschwinden lassen. Um ein erfülltes Leben zu leben benötige ich nichts, was man kaufen kann. Die Erfüllung ist in mir, ich muss nur meinen Blick darauf richten.

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Laura

    Ein schöner, inspirierender Beitrag. Bei mir lief das auch zusammen, Minimalismus im Reisen und im Leben. Nur mein digitales Dasein hat noch Minimalisierungs-Potenzial. Hast du dazu irgendwelche Tipps?

    1. Sonja

      Hallo Laura.
      Wer wie wir einen Blog betreibt, hat sich ja im Prinzip entschieden, häufiger als andere online zu sein 😀
      Dennoch gibt es die Möglichkeit, sich den Timer zu stellen, um für eine begrenzte Zeit im Netz zu sein oder das Smartphone z.B. mal für 2 Stunden aus zu stellen. Dafür eignet sich auch super der Flugmodus. Indem wir bewusst Online-Zeiten setzen, haben wir die Möglichkeit Onlineund Offline-Leben auszubalancieren.
      Letztlich ist das Internet aber auch nicht immer schlecht: Wir pflegen darüber unsere sozialen Kontakte und informieren uns über die Welt.
      Alles Liebe.
      Sonja

  2. Stine

    Liebe Sonja,
    Du sprichst mir aus dem Herzen. Da wir jede freie Minute mit dem Wohnmobil unterwegs sind, wurden wir mit Haus und Garten nicht mehr glücklich. Deshalb der Umzug in eine kleine Wohnung. Inspiriert vom Camperleben sind wir nur mit 100 Dingen umgezogen. Im Alltag wird sich herausstellen, ob es funktioniert. Es heißt immer mal improvisieren oder Dinge ausleihen.
    Liebe Grüße Stine

    1. Sonja

      Liebe Stine,
      wow, das klingt sehr aufregend! Hut ab, dass ihr das gewagt habt. Einen Versuch ist es definitiv wert und wenn man den Kontakt mit Nachbarn, Freunden und Familie pflegt, sollte es kein Problem sein, sich Dinge auszuleihen. Aber letztlich kennt ihr das minimalistische Leben, wie du sagst, auch schon aus der Zeit im Womo.
      Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr euer Glück auf diese Weise findet.
      Alles Gute für euch.
      Sonja

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