Alleine Wildzelten – 4 Tipps für Angsthasen

Alleine Wildzelten – 4 Tipps für Angsthasen

  • Lesedauer:9 min Lesezeit
  • Beitrags-Kategorie:Outdooraktivitäten

Du willst (Fern)Wandern und das erste Mal alleine zelten im Freien? Die Nähe zur Natur in vollen Zügen spüren? Du brauchst aber noch eine Riesenportion Mut? Meine 4 Tipps verhelfen allen (Noch-)Angsthasen zu einer entspannten Nacht im Zelt.

Lies weiter, wenn du wissen willst, wie du einen geschützten Platz für dein nächtliches Zeltlager findest. Erfahre außerdem, was überhaupt für das Zelten beim Wandern spricht.

Sicher alleine Wildzelten in Deutschland

Das Sicherheitsgefühl beim alleine Zelten im Freien hatte ich nicht immer. Bevor ich mich das erste Mal im Juni 2019 auf den Jakobsweg aufmachte, hatte ich Angst alleine zu campen. Ich empfand es als gefährlich, hatte Angst nachts ausgeraubt oder überfallen zu werden. Das letzte Mal hatte ich als Kind im Garten gezeltet. Aber irgendetwas reizte mich an dem Gedanken, die Nacht in der Natur im Zelt zu verbringen. Letztlich blieb mir auch nichts anderes übrig. Die Distanzen der Herbergen auf deutschen Jakobswegen sind in der Regel in einer Tagesetappe nicht zu schaffen. Zudem war es unmöglich zu sagen, wie viele Kilometer ich für eine Etappe brauchen würde. Daraus entstand die Idee beim (Fern-)Wandern auf ein Zelt auszuweichen.

Wie und wo zelte ich sicher alleine im Freien?

Tipp 1: Die ideale Gegend zum alleine Zelten

Der ideale Ort für eine Nacht im Freien befindet sich in einer wenig erschlossenen Gegend. Das ist weder in einem Wohngebiet noch in der Nähe einer Straße. Ich fahre am besten damit, einen Ort zwischen Wald und Feld zu wählen. Besser noch fernab von Straße und Bahngleisen. So hast du nachts nicht nur Ruhe, sondern auch keinen unerwünschten Besuch.

Gute Erfahrungen habe ich in der Nähe von Hochsitzen von Jägern gemacht. Dorthin gibt es vielleicht einen kleinen Trampelpfad und in der Regel etwas höheres Gras. Darin ist das Zelt von Weitem nicht sofort zu erkennen. Ferner lässt sich ableiten, dass der Weg nicht oder kaum frequentiert ist. Die Nähe ausgetrampelter Pfade hingegen würde ich vermeiden. Achte darauf, dass du dem Bauern am nächsten Tag nicht seinen Weg mit dem Trecker blockierst.

Checke für den Worst-Case, ob du Handyempfang hast. So hast du die Gewissheit, im Notfall telefonieren zu können.

Tipp 2: Beobachte aufmerksam deine Umgebung

Nimm beim Aufsuchen deines Nachtlagers deine Umgebung aufmerksam wahr. Achte darauf, dass dich niemand sieht. Lass andere Wanderer passieren, bevor du den Weg verlässt. Nur so kannst du sicher gehen, dass niemand weiß, dass du dort bist. Stell dich an den Ort, an dem du dein Zelt aufschlagen möchtest. Lausche, ob du Straßenlärm oder Züge hörst. Schau dich um, ob du Lichter siehst. Siehst du Autos oder Fußgänger auf Höhe des Zeltes? Dann kannst du auch gesehen werden und du solltest weiter suchen.

alleine wandern mit zelt
Schön versteckt im hohen Gras.

Tipp 3: Der ideale Platz für dein Zelt

Hast du die perfekte Gegend gefunden, suche dir nun einen Platz für dein Zelt. In meiner ersten Nacht stand das Zelt unter einem Baum. Regentropfen tropften unregelmäßig auf das Zelt. Das hat mich ziemlich genervt. Schau also bei deiner Suche nach oben.

Schau dir nun den Untergrund an. Er sollte ebenerdig sein, wenn du nicht von deiner Luftmatratze rollen willst. Einige Äste und Stöcke lassen sich beiseite räumen. Ist das Gras zu hoch, besteht Zeckengefahr. Viele und spitze Steine könnten den Boden des Zeltes beschädigen. Behalte im Hinterkopf, dass die Heringe in den Boden müssen.

Magst du es nicht, morgens von der Sonne geweckt zu werden? Anhand einer Kompass App kannst du herausfinden, wo Osten ist und die Sonne aufgehen wird. So kannst du dich in den Schatten von Büschen stellen. Der Abstand kann auch größer sein, da die Sonne morgens noch tief steht.

Tipp 4: Passe deinen Tag-Nacht-Rhythmus an

Die Naturverbundenheit beim Zelten zwingt dich mehr oder weniger dazu, deinen Tag-Nacht-Rhythmus dem Tageslicht anzupassen. Baue dein Nachtlager am Morgen zeitig wieder ab. Wildes Zelten ist in Deutschland verboten. Dazu erfährst du gleich mehr.

Suche dir unbedingt rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit einen Schlafplatz. Sicher möchtest du dein Zelt im Hellen aufbauen. Rechne genügend Zeit ein, dich noch im Hellen bettfertig zu machen. Das kleinere Problem ist, dass du im Dunkeln nichts mehr siehst. Gravierender erscheint mir die Gefahr, von jemandem gesehen zu werden. Daher ist es ratsam, Handy und Licht auszulassen.

Alleine Wildzelten: Sicherheit

Du wirst ziemlich schnell ein Gefühl für einen guten Platz für dein nächtliches Zeltlager bekommen. Bereits aus der ersten Nacht im Freien wirst du enorm viel Erfahrung mitnehmen. Inzwischen habe ich oft im Freien geschlafen und es ist nie etwas passiert. Beachtest du meine Tipps und Hinweise, wirst du garantiert eine Nacht ohne Angst und Schrecken in deinem Zelt verbringen.

Zelten deutscher Jakobsweg

Deutschland: Zelten im Freien

Nach deutschem Gesetz ist das Wildcampen mit einem Zelt generell verboten, insbesondere in Naturschutzgebieten und Küstenregionen. Dabei wird Wildcampen definiert als das Übernachten im Zelt außerhalb von Campingplätzen. Eine Grauzone dagegen ist das Biwakieren, das Übernachten im Freien im Schlafsack oder auf einer Luftmatratze. Denn das Nächtigen im Freien ohne Zelt ist im Gesetz nicht ausdrücklich verboten. Da es Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt, ist es ratsam, dich vorab zu informieren. Informationen zum Wildcampen findest du zum Beispiel auf bussgeldkatalog.org.

Wer aber sein Zelt irgendwo im Nirgendwo aufschlägt, wo niemand weiß, dass dort jemand zeltet, kann auch nicht angeklagt werden, richtig? Was ich damit sagen will: Wo kein Kläger, da kein Richter. Dabei ist es selbstverständlich, dass du die Natur ganz genauso verlässt, wie du sie vorgefunden hast. Im Idealfall nimmst du zu deinem Müll noch weiteren mit.

umweltbewusst und nachhaltig Reisen

Erfahre hier, wie nachhaltiges und umweltbewußtes Reisen funktionieren kann.

alleine wildzelten

Alleine draußen schlafen: Die Vorzüge des Zeltens

• Naturverbundenheit

„Schau ganz tief in die Natur, und dann verstehst du alles besser.“ (Albert Einstein)

Das Zelten hat einen ganz anderen Charakter, als in einer gebuchten Unterkunft zu schlafen. Widerspricht der Gedanke des (Fern)Wanderns nicht dem Übernachten in Hotels? Ich möchte eins sein mit der Natur. Mit allen Geräuschen, die draußen vorkommen. Lass mich dir erklären, was ich damit meine. In meiner ersten Nacht hörte ich merkwürdige Geräusche vor dem Zelt. Ich konnte sie nicht zusortieren. Eine Weile rätselte ich und kam auf die springende Idee. Es waren Rehe, die das Gras um das Zelt herum abfraßen. Diese Naturverbundenheit beim alleine zelten schätze ich sehr.

• Ruhe

Damit einher gehen Ruhe und Entspannung, die die Natur bietet. Im Grünen können wir unsere Akkus mit der Kraft der Natur aufladen. Die äußeren Reizüberflutungen sind außer Kraft gesetzt. Die frische Luft fördert den Schlaf, hebt unsere Stimmung und stärkt unser Immunsystem.

• Flexibilität

Das Zelten hat den Vorteil, dass man flexibel ist. Der Übernachtungsort muss nicht vorab festgelegt werden. Man gerät nicht unter Druck, wo man am Abend zu sein hat. Es lässt sich spontan schauen, wie weit uns die Füße tragen. Ohne uns vorab festzulegen können wir unser Zelt aufschlagen.

• Kostenlos zelten in Deutschland

Was bietet sich mehr für einen Ausflug mit wenig Budget an? Alleine Wandern mit Zelt kostet keinen Cent. Das Campen ist eine Alternative zu überfüllten Herbergen und teuren Hotels.

• Tagesstruktur

Der Tag-Nacht-Rhythmus gibt uns einen Tagesablauf vor. Draußen nehmen wir intensiv wahr, wann die Sonne auf- und untergeht. Wir werden sensibel für das Wetter.

• Zelten - ein Abenteuer

Das Übernachten unter freiem Himmel bringt auch immer eine gewisse Portion Abenteuer mit. Alles ist flexibel und offen. Für Abenteuerlustige ist die Kombination aus Wandern und Wildzelten die perfekte Art zu Reisen. Wem gerade das Abenteuer ein wenig Angst macht, den kann ich beruhigen. Vieles lässt sich im Voraus planen, so dass sich böse Überraschungen vermeiden lassen.

wildzelten Deutschland
Probeaufbau des Zeltes im Garten.

Alleine wandern mit Zelt: Das Zelt

Beim Wandern mit Zelt empfiehlt sich, auf eine leichte Ausrüstung zu setzen. Schließlich trägst du den Rucksack mit dem Gewicht den ganzen Tag auf dem Rücken.

Neben dem Gewicht sollte das Zelt auch rasch aufzubauen sein. Ein weiteres Kriterium für die Auswahl des Zeltes ist, dass der Aufbau alleine möglich ist. Um Routine zu bekommen und am ersten Abend entspannt zu bleiben, bau das Zelt vorab zum Beispiel im Garten auf. Zudem kannst du sicher gehen, dass keine Teile fehlen. Bei mir löste der Aufbau eine geballte Portion Vorfreude aus.

Du bist dir noch nicht sicher, ob wandern und zelten das Richtige für dich sind? Es spricht nichts dagegen, wenn du dir zunächst die Ausrüstung im Familien- oder Freundeskreis leihst. Im Gegenteil, so kannst du eine Menge Geld sparen und Ressourcen schonen.

Mein Tipp: Vernachlässige die Farbe des Zeltes nicht. Eine knallige Farbe erregt mehr Aufmerksamkeit.

wildcampen Tipps
Die Aussicht von meinem allerersten Nachtlager.

So zeltest du alleine sicher beim (Fern)Wandern

Der Angst alleine zu campen kannst du entgegenwirken, indem du eine Gegend abseits der Zivilisation wählst. Beobachte zunächst die Umgebung und achte darauf, dass du nicht gesehen wirst. Schaue beim Aufbau des Zelts nach oben und unten. Kalkuliere abends ausreichend Zeit ein und ziehe morgens zeitig weiter. Mir persönlich hilft der Grundgedanke: Ein böser Mensch wird in der Regel nicht im Wald, sondern in der Stadt nach Menschen suchen.

Beherzige meine Tipps zum sicheren Wildcampen in Deutschland und du wirst wundervolle Outdoor-Erlebnisse haben. Bereits nach deiner ersten Nacht wirst du ein Gefühl für einen sicheren und schönen Ort bekommen. Mit der maximalen Freiheit auf deiner Wanderreise wirst du die Natur wieder neu entdecken.

Bist du bereit für dein Zelt-Abenteuer? Sind Fragen offen geblieben? Hast du Anregungen? Haben dir meine Tipps zum alleine zelten geholfen? Schreibe mir einen Kommentar.

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Wolfgang Raschdorf

    Hi.
    Ich fand Deinen Bericht echt super nur leider muss ich berichten das ich sehr schlechte Erfahrungen von wegen Hochsitzen gemacht habe. Ich habe nicht neben einen gezeltet sondern auf einen campirt. Leider kam der echt mies gelaunte Jäger Nachts um 3 Uhr und hat mich weg gejagt. Das war sehr viel Adrenalin und Stress pur. Demnach werde ich die Hochsitze in Zukunft meiden. Was natürlich die Suche noch schwieriger macht.
    Wie stehst Du zum Thema Wölfe?
    MfG

    1. Sonja

      Hallo Wolfgang.
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Oh ja, das kann ich mir gut vorstellen, in der Situation würde ich auch mega gestresst sein! Wenn kein Jäger kommt, kann man gut von der „Infrastruktur“ profitieren. Letztlich muss jede/r das für sich selbst entscheiden. Bei mir überwiegen bisher die Vorteile.
      Zum Thema Wölfe: Wölfe sind sehr scheue Tiere. Sie meiden Menschen in der Regel. Aber ich gehe allein schon wegen der Mücken im Dunkeln nicht mehr aus dem Zelt 😀
      Viele Grüße
      Sonja

  2. Natalie

    Vielen lieben Dank für Deinen Beitrag, er erleichtert mich enorm und steigert sehr die Vorfreude auf meine erste Tour. Bin gerade dabei mich schlau zu machen und nach und nach Ausrüstung zu besorgen und mich umzuhören.
    Welches Zelt hast Du da?
    Herzliche Grüße aus Münster
    Natalie

    1. Sonja

      Liebe Natalie,
      das freut mich sehr, dass mein Beitrag dich motiviert hat 🙂
      Ich habe mir extra zum Wandern das MSR Hubba Hubba NX für 2 Personen angeschafft. Das kostet zwar mehr, ist aber dafür auch ultraleicht (1,54 kg) und man hat alleine auch noch für Gepäck gut Platz. Außerdem ist es super schnell alleine aufgebaut. Ich würd’s mir immer wieder holen!
      Liebe Grüße aus Hannover und eine aufregende Zeit!
      Sonja